• Pia Nussbaum

Ehrlicher Austausch - in der Familie und Partnerschaft

Interessant für: Menschen die sich mit Kommunikation beschäftigen

Ihr Nutzen: Gewaltfreie Kommunikation kennenlernen

Ihre Investition: 3 min

Datum: November 2020


Nachdem die meisten Familien aufgrund von Covid-19 wieder etwas näher zusammenrücken und mehr Zeit miteinander verbringen, möchte ich Ihnen meine Gedanken zum Thema ehrlicher Austausch in der Familie näher bringen.


Wie auch schon Buddha gesagt hat:

"Aus den Gedanken erwächst das Wort.

Aus dem Wort entsteht die Tat.

Aus der Tat entwickelt sich die Gewohnheit.

Aus der Gewohnheit wird ein Charakterzug.

- Achte deshalb sorgfältig auf deine Gedanken

und ihre Wege.

Und lass sie aus der Liebe entspringen,

aus der Achtung vor allem Lebendigen."


Aus dieser Haltung heraus möchte ich Ihnen die Frage stelle - Wie geht es ihnen mit den Gesprächen in der Familie? Führen Sie offene, ehrliche empatische Gespräche und tauschen sich über ihre Gefühlswelten aus? Oder haben Sie manchmal das Gefühl, dass ihnen nicht zugehört wird und Sie sich mehr Aufmerksamkeit wünschen? Wie kann Kommunikation in der Familie funktionieren?


In dem Buch von Marshall B. Rosenberg "Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK) ein Gespräch mit Gabriele Seil" wird ein möglicher Weg beschrieben. Zum einen geht es um eine einfühlsame Verbindung, mit uns selbst aber auch mit unserem Gegenüber. Die Gfk beruht auf ein paar wesentlichen Fragen: „Was ist lebendig in mir/dir? Und was würde mein/dein Leben bereichern? Wie können wir gemeinsam dafür sorgen, dass unser Leben reicher und schöner wird?


In der Gewaltfreien Kommunikation gibt es vier Komponenten Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten. Wenn wir uns jetzt auf die Beobachtung (1. Komponente) fokussieren, geht es darum eine Beobachtung mitzuteilen ohne zu bewerten oder zu interpretieren. Anstatt zu sagen: "Wenn du so wenig lernst, dann schaffst du den Test nicht" wäre eine Beobachtung: "Ich habe dich heute nicht lernen gesehen." Es geht darum eine Kommunikationsebene zu schaffen, bei der wir mit dem Gegenüber auf Augenhöhe sind ohne anderen Schuld zuzuweisen oder andere in der Familie für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen. Zielführend wäre anstatt dessen mit anderen und mit sich einfühlend umzugehen.


Die Gefühle (2. Komponente der Gewaltfreien Kommunikation) sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und doch ist der Ausdruck von Gefühlen in unserer Kultur manchmal unerwünscht oder wird als Schwäche gesehen. Anstatt kundzutun wie unsere innere Gefühlswelt aussieht, kommt vielleicht ein flapsiges "das ist dein Problem" über die Lippen. Oft behalten wir unsere Gefühle für uns und geben unseren Ärger oder Enttäuschung keinen verbalen Raum. Wir distanzieren uns von unserem Gefühl oder interpretieren Gefühle der anderen wie "Ich habe das Gefühl du ignorierst mich" anstatt zu formulieren "ich werde von dir nicht gesehen".


Die Bedürfnisse (3. Komponente der Gewaltfreien Kommunikation) sind mit den Gefühlen eng verbunden. Diese stellen einen wichtigen Kern in der Gewaltfreien Kommunikation dar, denn Bedürfnisse lösen Gefühle in uns Menschen aus. Wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden, dann erleben wir weniger wünschenswerte Gefühle als wenn unsere Bedürfnisse erfüllt sind. Damit wir uns besser verstehen können, ist es hilfreich unsere Bedürfnisse zu kennen. Denn daraus folgt der Weg für uns zu einem selbstbestimmteren Leben. Wenn wir unsere Bedürfnisse kennen und diese mitteilen, ist eher die Möglichkeit gegeben, dass unser Gegenüber dazu beiträgt, dass diese erfüllt werden. Wie zum Beispiel: Ich bin frustriert (Gefühl), weil ich Ordnung (Bedürfnis) brauche. Hier teile ich mich dem Gegenüber mit, ohne mein Gegenüber für das Gefühl verantwortlich zu machen.


Nun kommen wir zur Bitte (4. Komponente der Gewaltfreien Kommunikation). Was möchte ich von meinem Gegenüber? Eine Bitte soll positiv, kurz und klar formuliert werden. Was würde sich an ihrer Lebensqualität verbessern, wenn das Gegenüber ihnen diese Bitte erfüllt?

Es geht um eine Handlung, die so konkret wie möglich formuliert werden soll. Anstatt zu sagen bitte sei rücksichtsvoll könnte die Bitte lauten:"Bitte klopfe an, bevor Du in mein Zimmer kommst."


Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation hören sich sehr leicht an. Die Umsetzung benötigt Zeit und üben. Vielleicht mit folgender Frage anfangen - Was könnten ich tun damit mein Familienleben reicher und schöner wird?


Lassen Sie mich wissen, ob der Artikel für Sie hilfreich war. Ich freue mich über eine Rückmeldung per E-Mail office@pianussbaum.at

Weitere Literaturempfehlungen finden sie hier:


Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt - Vier Schritte zu einer einfühlsamen Kommunikation, Serena Rust

...und immer sagen wir "bitte" oder "danke", Vilma Costetti

Gewaltfreie Kommunikation, Eine Sprache des Lebens, Marshall Rosenberg

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