• Pia Nussbaum

Gefühle wahrnehmen – eine Ermutigung

Interessant für: Menschen, die sich mit ihren Gefühlen beschäftigen wollen

Ihr Nutzen: Wahrnehmung erweitern

Ihre Investition: 3 min

Datum: Juni 2020



Eine Freundin erzählte mir unlängst von einem Erlebnis, das sie in der Schule hatte. Dankenswerter Weise gab sie mir die Erlaubnis darüber zu schreiben.


Im Alter von etwa 10 Jahren hatte sie in der Schule eine Auseinandersetzung mit einem Klassenkollegen. Sie stand mit Freundinnen in der Klasse und unterhielt sich. Plötzlich kam ein Schulkollege und schlug mit seinem Holzpantoffel auf ihren Rücken. Was war ihre erste Reaktion? Sie drehte sich um und brüllte ihn an. Daraufhin meinte die Lehrerin, die das ganze beobachtet hatte, dass sie doch besser Verständnis für ihn haben sollte, denn seiner Mutter gehe es nicht gut. Zusätzlich meinte die Lehrerin, dass es doch gar nicht weh getan hätte. Für einen kurzen Moment war sie überwältigt von dieser Situation. Sie bemerkte wie langsam die Wut in ihr hochstieg, sie fühlte sich nicht verstanden und begann für einen kurzen Moment an ihren Gefühlen zu zweifeln. Dennoch hielt sie inne und überprüfte ob das richtig war, was die Lehrerin sagte. Sie kam zu dem Entschluss, dass ihre Gefühle und ihre Wahrnehmung okay sind, drehte sich um und verleihte ihrem Nicht-Verstanden-Werden Ausdruck.


Wenn auch sie jetzt verleitet sind, für die eine oder andere Person in der Geschichte Partei zu ergreifen, möchte ich sie einladen zu versuchen, niemanden in der Geschichte zu verurteilen. Denn ich möchte hier auf das Thema der Gefühle eingehen ohne zu bewerten (Ja, das ist eine Herausforderung).


In dieser Situation ging es darum, dass beide ihr Gefühlsleben in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck brachten. Als involvierte Schüler wurden beide nicht gehört oder danach gefragt, wie es ihnen geht, ob sie betroffen oder erschrocken sind. Gefühle wurden in diesem Setting als unwichtig angesehen.


Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte aus den Leben meiner Freundin?


Diese Geschichte ist ein Beispiel für viele Situationen in unserer Gesellschaft, die in abgewandelter Form im Berufs- oder Privatleben vorkommen. Denn in unserem Kulturkreis haben Menschen oft gelernt, sich nach außen zu orientieren und Gefühle unter den Teppich zu kehren. Wenn ein unerwünschtes Gefühl vorhanden ist, werden andere dafür verantwortlich gemacht oder wir verurteilen uns selbst.


Vielen Menschen fällt es unglaublich schwer eigene Gefühle zuzulassen, auf Gefühle einzugehen oder diese in Wörter zu fassen. Auch in einer Vielzahl von Berufsgruppen werden Gefühle tabuisiert, in gute und schlechte Gefühle eingeteilt oder als Zeichen von Schwäche angesehen.


Wie oft leben Menschen nebeneinander her und wissen nicht wie das Gegenüber sich fühlt? Manche teilen die tägliche familiäre Routine, sind einsam und erzählen nichts über diese Einsamkeit. Andere haben wiederum aufgehört über die Gefühle zu sprechen, da sie als Kritik verstanden werden oder Angst haben, ihre Themen zu outen.


Der Schritt über Gefühle zu reden, erfordert Mut. Mut entsteht durch mutige Handlungen.



Wieviel Platz gibt es in Ihrem Umfeld über Gefühle zu sprechen?


Ich möchte Sie in diesem Blog dazu ermutigen sich einen geschützten Rahmen zu suchen, wo Sie über Ihre Gefühle sprechen können. Erweitern Sie Ihr Selbstbild und lernen Sie über sich etwas Neues. Verabschieden sie sich von dem Vorurteil „Über Gefühle spricht man nicht“, denn über Gefühle zu sprechen ist ein Teil der Psychohygiene.


In manchen meiner Kommunikations-Workshops mache ich eine freiwillige Runde, wo wir über unsere Gefühle und Bedürfnisse sprechen. Hier geht es wiederum nicht um richtig oder falsch, schwarz oder weiß sondern darum was da ist, ohne zu bewerten. Dabei erlebe ich es regelmäßig, wie befreiend Menschen es erleben, in Verbindung mit ihren Gefühlen zu kommen und ehrlich über ihre Gefühle zu sprechen.


Lassen Sie mich wissen, ob der Artikel für Sie hilfreich war. Ich freue mich über eine Rückmeldung per E-Mail office@pianussbaum.at


Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation, Ein Gespräch mit Gabriele Seils, Marshall B. Rosenberg, Herder Spektrum

http://visfera.com/product/feelings-needs/ (eine kleine Anregung…)