• Pia Nussbaum

Resilienz - Ein kurzer Überblick

Interessant für: Menschen, die den Begriff kennenlernen wollen

Ihr Nutzen: Erweiterung Ihres Wissens

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Datum: Dezember 2020



Der Begriff Resilienz leitet sich aus dem lateinischen Begriff resiliere (abprallen) ab. Wenn wir uns die deutschsprachige Erklärung des englischen Begriffs "resilience" ansehen, dann kommen wir der Bedeutung schon sehr nahe. Darunter wird Spannkraft oder auch Widerstandsfähigkeit verstanden. Damit war ursprünglich ein physikalisches Phänomen zu verstehen, wenn ein Körper von einer veränderten Form wieder in seine ursprünglich Form zurückkehrt. In Verbindung mit dem psychischen Erleben, wird darunter die Fähigkeit verstanden, Schicksalsschläge so zu bewältigen, dass keine langfristigen Beeinträchtigungen zurückbleiben. Neben dem Umgang mit Stress, geht es auch darum Lebenskrisen und Probleme zu meistern. Resilienz ist uns nicht angeboren, sondern es ist ein "dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess." (Wurstmann, 2006, S. 28)


Resilienz ist keine aktuelle Modeerscheinung, denn die Forschung reicht bis in die 50iger Jahre zurück. Zum einen geht der Begriff auf den Psychologen Jack Block zurück, aber auch auf die amerikanischen Entwicklungspsychologinnen Emmy Werner und Ruth Smith. Diese forschten über 40 Jahre auf der hawaiianischen Insel Kauai und begleiteten 700 Kinder. Die Schlussfolgerung war, dass resistente Menschen über Eigenschaften verfügen, die es ihnen ermöglichen, trotz widriger Lebensbedingungen nicht zu scheitern.


Auch das Modell der Salutogenese von dem israelisch-amerikanischen Soziologen Aaron Antonovsky in den 70igern beschäftigte sich mit der Frage was Menschen bei Gesundheit hält, der sogenannte "Sense of coherence", ein ressourcenorientierter Ansatz, welcher folgende drei Teile beinhaltet:

  • das Gefühl der Verstehbarkeit - sense of comprehensibility

  • das Gefühl der Bewältigbarkeit - sense of manageability

  • das Gefühl der Sinnhaftigkeit - sense of meaningfulness

Dem Modell nach unterstützt ein ausgeprägtes Kohärenzgefühl den Umgang mit den Anforderungen einer herausfordernden Situation. Der "Sense of Coherence" - das Kohärenzgefühl - wird als Steuerungsprinzip verstanden, das einem Menschen hilft für eine Situation die notwendigen Ressourcen auszuwählen und einzusetzen.


In den 90igern beschäftigte sich Martin Seligmann im Rahmen der positiven Psychologie mit der Förderung von Stärken und Ressourcen und mit der Frage wie man bessere Lebensbedingungen schaffen kann. Der Begriff Resilienz wird dem Bereich der Positiven Psychologie zugeschrieben.


Laut der amerikanischen Wissenschaftlern Reivich und Shatterhand haben folgende Faktoren einen Einfluss:

  • Optimismus - optimism Realistischer Optimismus, der die Hoffnung auf die Zukunft und das Erkennen von zukünftigen Aussichten beinhaltet.

  • Emotionssteuerung - emotion regulation Emotionen wahrnehmen, auslegen und in eine für die Situation passende Richtung lenken.

  • Impulskontrolle - impulse control Behalten der Kontrolle über das Verhalten auch wenn die Emotionen zu einem anderen Verhalten lenken würden.

  • Empathie - empathy Sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen.

  • Kausalanalyse - causal analysis Fähigkeit des Analysierens von Zusammenhängen.

  • Selbstwirksamkeitsüberzeugung - self efficacy Darauf vertrauen, dass trotz schwieriger Situation und hoher Belastung die Handlungsfähigkeit erhalten bleibt. Der Glaube daran, dass man Einfluss auf Dinge nehmen kann.

  • Zielorientierung - reaching out Ein klares Ziel haben, dieses umsetzen, dranbleiben auch wenn dies nicht so leicht erscheint. Rückschläge werden dabei in Kauf genommen.

Wenn wir von Resilienz sprechen, dann ist dies nichts statisches. Grundsätzlich haben auch Umweltbedingungen einen Einfluss auf unseren Zustand. Welchen Einfuss die Genetik hat, wird derzeit noch erforscht. Man geht davon aus, dass das Gen "5-HTTLPR" von dem es ein längeres und ein kürzeres gibt, einen Einfluss hat. Das Längere, welches für den Menschen und dessen Widerstandsfähigkeit wichtig ist, kommt in 99,5 Prozent der Bevölkerung vor. Zusätzlich soll Resilienz auch vom Wachstum der Zellen im Gehirn abhängen. Auch Neurobiologen sind damit beschäftigt zu erforschen, wie wie Stress im präfrontalen Kordex verarbeitet wird.


Das Gute zuletzt. Wir können auch im Erwachsenenalter unsere Resilienzfähigkeit trainieren und das auf vielfältige Art und Weise. Jeder ist hier angehalten selbst für sich zu entscheiden, was zur eigenen Resilienz beiträgt.


Ich möchte Ihnen mitgeben, dass Sie regelmäßig essen und trinken, Pausen machen und sich selber loben (siehe Artikel Selbstwertschätzung). Setzen Sie sich realistische Ziele. Achten Sie auf die Qualität Ihres Schlafes. Bei Anzeichen von Schlafstörungen holen Sie sich professionelle Hilfe. Wenn Probleme auftreten, die Sie alleine nicht bewältigen können, holen Sie sich Unterstützung. Machen Sie ausreichend Bewegung in der Natur (siehe Artikel Natur) und wählen sie eine Bewegungsart die Ihnen gut tut.


Abschließend führe ich hier für Sie ein paar praktische Übungen an:

  • Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson

  • Atem-Übungen wie "Bewusstes Atmen"

  • Die 5 Tibeter

  • Acht Brokatstücke

  • Den Körper abklopfen

  • Beenden Sie den Tag mit etwas Positivem - überlegen sie - was ist Ihnen gut gelungen, was hat ihre Leben bereichert und wofür sind sie dankbar





Lassen Sie mich wissen, ob der Artikel für Sie hilfreich war. Ich freue mich über eine Rückmeldung per E-Mail office@pianussbaum.at


Artikel:

Antonovsky, A. (1979): Health, stress, and coping. New perspectives on mental and physical well-being. San Francisco, Jossey-Bass.


Buch:

Seligmann (2003): Der Glücks-faktor

Wurstmann: (2006): Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern

Fröhlich-Gildhoff, Rönnau-Böse (2019): Resilienz

Reivich, Shatterhand (2003): The resilience factor

Kelder (199): Die fünf Tibeter


Links:

https://www.mobilesport.ch/aktuell/entspannungspfad-korper-abklopfen-und-aktivieren/

https://www.rehaklinik-ueberruh.de/praevention/uebungen/qigong-brokatuebungen/

https://www.mediclin.de/fileadmin/02_Dokumente_Share_verzeichnis/01_Klinikuebergreifende_Dokumente/Sonstige_Flyer_und_Broschueren/Progressive-Muskelentspannung-nach-Jacobson.pdf

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/resilienz/index.html



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